Messerscharfe Kunst auf grauer Betonwand

Axel Müller präsentiert auf der geschwungenen Rampe der Firma Hees Bürowelt großformatige, farbstarke Werke mit dem Leitthema „Cut-Out“.

Manchmal kann die Arbeit von Künstlern auch schmerzhaft sein. Zumindest für Axel Müller, der für seine Arbeiten auch ein scharfes Messer braucht, um aus der Pappe von Verpackungen die von ihm gewünschten Formen herauszuschneiden. Und dabei kann ein Schnitt auch mal in den Finger gehen.

Die Faszination der Schoten

Verpackungsmaterial, das sonst im Papiercontainer entsorgt würde, macht Axel Müller zur Grundlage für die Arbeiten, die er für die Rampe im Eingangsbereich von Hees Bürowelt konzipiert hat. Diese leichten Materialien bilden einen spannenden Kontrast zum harten Beton der Ausstellungswand. „Die Rampe kannte ich von mehreren Besuchen“, sagt Axel Müller. Seine Arbeitsweise zu Hause in seinem Atelier in Wiehl: Die Pappe als Grundform der Werke legte er auf den Boden. Darauf gestaltete er die ausgeschnittenen Teile in bis zu 5 verschiedenen Schichten übereinander und klebte sie fest. Eine Gemeinsamkeit der Arbeiten ist die Schotenform einiger der ausgeschnittenen Teile. Diese speziellen Speicher von Erbsen und Bohnen hat er schon früher verwendet („Ich habe mich immer für Behälter interessiert, die etwas bewahren“), zwischenzeitlich aber ruhen lassen. Nach einem Gespräch über die geplante Ausstellung mit Franz Josef Weber, dem damaligen Geschäftsführer des Kunstvereins Siegen, ließ der Künstler dieses Grundmotiv wieder aufleben und entwickelte bei einem Aufenthalt in Holland die Entwürfe, mit denen er sich für die Ausstellung bewarb. „Cut-Out“, frei übersetzt „ausgeschnitten“, ist daher deren folgerichtiger Titel und beschreibt nichts anderes als seine Arbeitsweise. Besonders faszinierte ihn dabei die Möglichkeit, ganz groß zu arbeiten. „Kartonschnitte“ nennt Axel Müller seine dreidimensionalen, reliefartigen Werke, die eine Kombination von Gemälden, Objekten und Skulpturen verkörpern und bis zu 2 ½ Metern hoch sind.

Ohne Titel

Titel sucht man beim Anschauen dieser Bilderreihe vergebens. Axel Müller hat sie lediglich in der Reihenfolge der Hängung nummeriert. „In den 1980ern, in denen ich ausgebildet wurde, war dies üblich, vor allem, um den Betrachtern keine Meinungen vorzugeben.“ Jan Schöne, Leiter für Marketing und Kommunikation bei Hees Bürowelt, weiß aber aus langer Erfahrung, dass viele Kunden und Mitarbeiter der Firma, die normalerweise nicht in Kunstausstellungen gehen, beim Gang über die Rampe sehr häufig ins Gespräch über Kunst kommen. Auch ein Ergebnis der Ausstellungsreihe „Kunst im Rampenlicht“, die seit der Eröffnung in 2012 regelmäßig im Haupthaus von Hees in der Leimbachstraße stattfindet. Dass man diesmal, auch nach mehrmaligem Verschieben der Ausstellung, auf die üblichen Eröffnungsrituale mit Reden, Sekt und Imbiss verzichten muss, ist den bekannten Abstandsregeln geschuldet. Und die werden bei Hees Bürowelt sehr ernst genommen. Jennifer Cierlitza, Geschäftsführerin und Kuratorin des Kunstvereins Siegen, hofft jedoch, dass durch die Verlängerung von „Cut-Out“ bis ins Frühjahr 2022 dann am Ende ein „Abschiedsfest“ stattfinden kann, bevor die spektakuläre Kunst von Axel Müller wieder abgehängt wird.

Info:

Die Ausstellung Axel Müller „Cut-Out“ ist ab dem 30. August in den Räumen von Hees Bürowelt zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Text: Wolfgang Leipold
Foto: Kunstverein Siegen